Archiv für den Monat Juni 2011

Geld ist so 20. Jahrhundert – zahl mit einem Tweet!

Alle wollen Geld verdienen, klar, aber wie bekomme ich in dieser medial übersättigten Welt überhaupt noch die nötige Aufmerksamkeit? Storytelling, Blogs, Facebook, alles schön und gut – nur: Wenn das niemand liest, dann ist es ja auch verlorene Liebesmüh.

„Empfehlungen kann man nicht kaufen“, behaupte ich immer in meinen Seminaren – doch auch dies stimmt nun in Zeiten des Social Media Marketing nicht mehr, denn mit „pay with a tweet“ ist ein Anbieter durchaus in der Lage, sich auf sehr direkte und unverblümte Art und Weise die Netzwerke seiner User zunutze zu machen. Das Prinzip ist denkbar einfach:

Für ein kleines, spannendes Goodie ist der User anscheinend schnell bereit, all seine Twitter- und Facebook-Freunde herzugeben… geht ja auch kurz und schmerzlos!

Neben den Beispielen im Video habe ich noch eine weitere Website entdeckt: Das „Hotel Universo“ in Lucca offeriert auf seiner Website 10% Rabatt für einen Tweet. Wenn ich das jetzt 10x twittere, wohne ich dann kostenlos….?

Aufmerksamkeit um jeden Preis – heißt es nicht erst seit den Web 2.0-Zeiten. Aber nie war es anscheinend einfacher, Aufmerksamkeit zu erhalten. Ob sich dieses Prinzip wirklich auf Dauer auszahlen wird, muss sich jedoch erst noch zeigen…

 

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Barbie ist ein Serial-Killer!

Virals sollten ziegruppengenau gestaltete Botschaften sein, die dann aber wenig bis gar nichts in der Verbreitung kosten. Ideal für alle, die wenig Geld für Media-Schaltungen haben – und eine Zielgruppe, deren zweites (erstes?) Zuhause das Internet ist.

Während sich viele Unternehmen mit dem „Social Media Marketing“ und den viralen Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen, noch schwer tun, sind es oft die NGOs und die Non-Profit-Organisationen, die auf diesem Feld punkten können. Wer von uns wußte schon, dass Barbie eine Serienmörderin ist?

Gerade Greenpeace setzt dabei gerne auf Schockmomente, denn nur im starken Kontrast zu unserer vermeintlich heilen Welt können die „mind bombs“ zünden.

Auch eine andere Organisation sorgt mit ihrer „Fleischerei Kläffer“ für Aufmerksamkeit:

Es geht bei diesen Virals eben nicht nur darum,  einen Konsumenten zum Kauf zu bewegen, sondern ihn zum kritischen Nachdenken und -fragen zu motivieren. Und das klappt nicht mit „Friede, Freude. Eierkuchen“….

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I’m reading a book!

Kleiner Nachtrag zum Post „Wie man die Generation 2.0 zum Bücherlesen bringt„: Man muss dem ungestörten Buchgenuss einfach nur das passende Bad-Boy-Image geben….

 

Immerhin: 2,8 Mio Clicks…

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Schwestern Italiens – sorelle d’Italia…

Die Symbole einer Nation sind vielen Menschen heilig – nach wie vor. Dazu zählen die Nationalfahne, das Bild des Königs auf einem Geldschein (in Thailand beispielsweise) oder auch die Nationalhymne.  Dichtet man diese um, sorgt man bestimmt für Aufmerksamkeit, dachte sich auch die italienische Firma „Calzedonia„. Wahrscheinlich ohne zu ahnen, das sie damit beinahe eine Staatsaffäre lostreten:

Ja, jetzt könnte man wieder über die Alpen zeigen und sagen: „Tztz, diese Italiener…“, aber was wäre, wenn es bei uns statt „brüderlich“ nun „schwesterlich mit Herz und Hand“ heissen würde? Das wäre kein Aufreger? Na dann erinnere ich mal kurz an das hier:

Auch wenn es wahrscheinlich in diesem Ausmaß von „Calzedonia“ nicht gewollt war, so zeigt dieser Fall doch, dass die Nutzung starker Symbole schnell zu einer kontroversen Diskussion führen kann. Und die bringt Aufmerksamkeit. Und so kommt man an den Märkten ins Gespräch…. Und das ist talketing 🙂

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Wie man die Generation 2.0 zum Bücherlesen bringt

Die Klage darüber, dass die „digital natives“ keine Bücher mehr lesen, sondern nur noch vor dem Schirm sitzen und chatten/twittern/spielen würden, ist nicht wirklich etwas neues, denn bei jedem Medium wurde das Ende des Buches vorhergesagt. Auch das Ebook wird – aller Erfolge zum Trotz – die geduckte Variante nicht endgültig ablösen: Eine jüngst veröffentlichte Studie  („The Imposition and Superimposition of Digital Reading Technology: The Academic Potential of E-readers“) der Universität von Washington in Seattle zeigte auf, dass gerade das beim Lernen so wichtige „reagierende Lesen“ bei E-Books nicht möglich ist.

Dennoch stellt sich die Frage, wie das gedruckte Wort den Facebookern und Twitterern näher gebracht werden kann. Die Lösung ist so einfach wie aufwändig – natürlich über die ihnen vertrauten sozialen Medien:

 

Anders als bei begleitenden viralen Spots (s. nächstes Video) wird hier keine offensichtliche Werbung für das Buch gemacht, sondern die Charaktere werden lebendig und bieten dem Leser durch Verknüpfungen in die verschiedensten Medien hinein eine weitere, neue Ebene der Leseerfahrung.

 

In Deutschland hat der Piper-Verlag zusammen mit der Agentur Coma begonnen, innovativere Wege zu gehen: Für den Kultkommissar Kluftinger wurde auf der Facebook-Seite Kluftinger Krimis ein Spiel entwickelt, in dem die Profile der Freunde in die Story mit eingebunden werden. Coma entwickelt bereits für das im August erscheinende neue Buch von Charlotte Roche („Schoßgebete“) eine ähnliche App.

Ohne Frage, das hier Beschriebene ist mit Aufwand und Kosten verbunden – und dennoch schafft es eine loyale Community, die über Buch, Figuren und die eigene Leseerfahrung öffentlich spricht und somit einen Aufmerksamkeitsgewinn für die Verlage schafft. Der sich mit Sicherheit auch in den Absatzzahlen bemerkbar macht…

Ich würde mich ja sehr freuen, wenn jemand auf die Idee käme, die Figuren von Marcel Prousts: „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ bei Facebook zu beleben und die Story dort medial umzusetzen…. wer hat Lust? 🙂

 

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No talketing…. via Facebook

Die Schweizer Tourismuszentrale hatte eine geniale Idee: Wer, wenn nicht Vielsurfer und Facebook-Hocker, ist ein besseres Zielobjekt für 1 Woche in einer einsamen Hütte – ohne Internet, ohne Handyempfang, ohne talketing. Na ja, nicht ganz ohne, 10 Freunde dürfte man bei der Verlosungsaktion schon noch mitnehmen….

Um „no talketing“ auch zielgruppengerecht zu kommunizieren, kommen die beiden Milchbauern Sebi & Paul wieder zum Einsatz, die von der Schweiz Tourismus jüngst in einem neuen Spot in die große Stadt geschickt wurden:

 

Auf der eigens für die Verlosung eingerichteten Website sehen wir die beiden nun ins Café gehen, wo flugs zur „gemeinsamen Kommunikation“ via Facebook-Chat  die Laptops aufgeklappt werden. So weit so nett, doch im Laufe des Clips wird der Zuschauer aufgefordert, sich via Facebook-Connect mit den beiden zu verbinden  – ein Spaß, den ich nur empfehlen kann!  Denn anhand einer eingehenden „Analyse“ durch Sebi & Paul wird geprüft, ob man denn überhaupt geeignet wäre für einen Urlaub ohne Internet und Handyempfang.

Interaktive Werbung mit Clips ist nun kein neuer Hut mehr, aber diese hier fällt auf, da sie besonders liebevoll und augenzwinkernd umgesetzt wurde. Der Clip führt zu einem Gewinnspiel, an dem man teilnehmen kann oder nicht – und natürlich wird Facebook auch dabei genutzt, um die Botschaft via „teilen“ weit zu streuen.

Bacardi versucht ebenso zur Zeit, uns vom Web 2.0 wieder ins richtige Leben zurückzuführen:

Die Idee versandet dann aber eher uninspiriert auf der dazugehörigen Facebook-Seite und mit dem Together-Manifesto:

Dann lieber ab auf die Hütte! Es ist zwar ziemlich unvorstellbar für mich, eine Woche „ohne“ auszukommen, aber je mehr ich darüber nachdenke, umso so charmanter wird die Idee…. 🙂

 

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„public voice“ – was tun, wenn der Kunde spricht?

Darüber, dass die HMI ja lehrbuchmäßig alles richtig gemacht hat mit ihrem Incentive in Budapest, habe ich ja schon an anderer Stelle geschrieben. Im Zusammenhang mit „talketing“ ist es jedoch spannend sich anzuschauen, wie die ERGO auf den Skandal reagiert: mit der guten, alten „Kopf-in-den-Sand-stecken“-Methode, die in Zeiten der multimedialen Gespräche nur so gar nicht mehr funktioniert.

In der „Süddeutschen Zeitung“ wird berichtet, dass ERGO  ziemlich froh sei, dass kaum jemand bemerkt hätte, dass HMI und ERGO ja quasi das gleiche in grün seien: „Jetzt hofft man bei Ergo darauf, dass der ganze Aufwand möglichst wenig gebracht hat. „Viele Leute haben unsere Marken-Repositionierung im vergangenen Jahr ja gar nicht mitbekommen“, glaubt eine Ergo-Sprecherin.“

Logo, die nervigen Fernsehspots, die Plakate, Anzeigen, Funkspots und und und – keiner hat sie mitbekommen. Schade um das schöne Geld der Versicherten, das mit dieser Kampagne versenkt wurde… 20 Millionen Euro sollten 2011 immerhin investiert werden.

Doch der Konsument ist selten so blöde, wie ihn die Konzerne gerne hätten – und er spricht:

Und das haben sich immerhin schon 175.000 Zuschauer freiwillig angesehen…. 🙂

Viral lassen sich eben nicht nur die Botschaften verbreiten, die ein Unternehmen gerne kommunizieren möchte – der Kanal steht auch allen anderen  zur Verfügung. Was tun, wenn Kritik sich viral verbreitet? Nicht jede muss ja so humorvoll sein wie dieser Spot…

Einen viral verbreiteten Spot zu „löschen“ ist vergeblich – und unsinnig zudem; es zeigt lediglich, dass die Verantwortlichen im Unternehmen noch nicht begriffen haben, wie „Internet“, „Web 2.0“ und „viral“ funktionieren.

Dann es doch lieber wie ERGO machen: Kopf in den Sand stecken, hoffen, dass es keiner sieht, und warten, bis alles vergessen ist….

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